Offener Brief an Univ.-Prof. Dr. Michael J. Noack – Zu BEYOND FLUORID und den Maßstäben wissenschaftlicher Transparenz

Sehr geehrte Damen und Herren, wir veröffentlichen unseren offenen Brief an Univ.-Prof. Dr. Michael J. Noack. Anlass sind seine Aussagen in dem kürzlich bei MGB Dental veröffentlichten Interview „Infodemiologie: Fluoride & Fake-News wissenschaftlich erklärt“, in dem er sich mit BEYOND FLUORID auseinandersetzt und die Kommunikation unserer Initiative der Verbreitung von Fehlinformationen zuordnet.

Diese Einordnung weisen wir zurück. In unserem Schreiben setzen wir uns mit den wesentlichen fachlichen Punkten auseinander und plädieren für eine sachliche und wissenschaftlich fundierte Debatte über Fluoridexposition, Kariesprävention und alternative Wirkstoffe.
Im Mittelpunkt steht dabei auch die Frage, nach welchen Maßstäben eine wissenschaftliche Debatte geführt werden sollte. Aus unserer Sicht darf sich die Auseinandersetzung nicht auf die Unterstützer oder mögliche Interessen einzelner Akteure konzentrieren. Entscheidend ist, ob Aussagen wissenschaftlich belegt sind, Interessen transparent gemacht und relevante Erkenntnisse vollständig berücksichtigt werden.

Dazu gehören aus unserer Sicht sowohl die inzwischen vorliegenden klinischen Studien und die Metaanalyse zur kariespräventiven Wirksamkeit von Hydroxylapatit als auch die Neubewertung der Fluoridaufnahme durch die EFSA und das weiterhin laufende europäische Verfahren zur harmonisierten Einstufung von Natriumfluorid.

Mit dem offenen Brief erneuern wir zugleich ausdrücklich unser Gesprächsangebot an Prof. Noack. Unser Ziel ist ein offener, fachlich fundierter Austausch über die vorliegenden Studien, unterschiedliche Bewertungen und weiterhin offene wissenschaftliche Fragen.

 

 
Ihre Aussagen im MGB-Dental-Interview zu BEYOND FLUORID und die Maßstäbe wissenschaftlicher Transparenz

Sehr geehrter Herr Professor Noack,

etwas überrascht habe ich Ihr kürzlich bei MGB Dental veröffentlichtes Interview „Infodemiologie: Fluoride & Fake-News wissenschaftlich erklärt“ gelesen. Darin erklären Sie, auf Ihren offenen Brief an den wissenschaftlichen Beirat von BEYOND FLUORID keine Antwort erhalten zu haben [1].

Selbstverständlich haben wir Ihren offenen Brief vom März zur Kenntnis genommen [2]. Nachdem darin aber weder wissenschaftlich fundiert die tatsächlichen Sachfragen zu den möglichen gesundheitlichen Risiken der Fluoridexposition noch nachweislich wirksame Alternativen wie Hydroxylapatit thematisiert wurden, sondern lediglich unsere Initiative pauschal kritisiert wurde und keinerlei Gesprächsangebot enthalten war, haben wir darauf nicht reagiert.

Den nun vermittelten Eindruck, BEYOND FLUORID habe sich einem Gespräch verweigert, weise ich deshalb zurück. 
Natürlich stehe ich Ihnen persönlich für einen offenen Austausch über die tatsächlichen wissenschaftlichen Sachfragen zur Verfügung.

Letztlich geht es doch um eine greifbare und wissenschaftlich fundierte Diskussion. Dabei würde ich mir wünschen, dass diese auch bei Ihnen und in Ihrem Netzwerk wieder in den Vordergrund rückt. Der Versuch, über eine Skandalisierung der Unterstützer unserer Initiative das Thema vom Tisch zu kehren, beantwortet keine einzige fachliche Frage und ersetzt keine wissenschaftliche Auseinandersetzung.
Mittlerweile liegen mehrere randomisierte klinische Studien vor, in denen hydroxylapatithaltige Zahnpasten eine kariespräventive Wirkung zeigten, die der jeweils untersuchten fluoridhaltigen Vergleichszahnpasta nicht unterlegen war [5–7].
Hinzu kommt eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse [8]. Selbstverständlich können und sollen diese Studien kritisch diskutiert werden. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung setzt jedoch voraus, die vorliegende Evidenz zur Kenntnis zu nehmen und mögliche methodische Einwände konkret zu benennen. Die pauschale Abwertung von Hydroxylapatit als schlecht untersuchte Alternative reicht dafür nicht aus.

Wir könnten uns auch darauf fokussieren, warum bei der Initiative ProPrävention mit CP GABA ein Unternehmen des milliardenschweren Colgate Palmolive Konzerns, für den Sie u. a. Mitautor einer Studie zu hochfluoridhaltiger Zahnpasta waren, für die Wirkung von Fluorid wirbt. Zuletzt ist CP GABA als Partner der Initiative ausgewiesen und wurde im Webinar von ProPrävention durch Dr. Andreas Syrek, Director Professional Oral Care, als Vertreter der forschenden Industrie repräsentiert [3, 4, 9].

Das kann aber aus unserer Sicht nicht der Anspruch an eine wissenschaftliche Diskussion sein. Entscheidend ist nicht allein, wer eine Debatte unterstützt. Entscheidend ist, ob die vorgetragenen Aussagen wissenschaftlich belegt sind, Interessen transparent gemacht werden und alle relevanten Erkenntnisse berücksichtigt werden.

Dazu gehört auch, die Ergebnisse der EFSA vollständig einzuordnen. Die EFSA hat 2025 die gesundheitlichen Risiken der Fluoridaufnahme neu bewertet und dabei die Gesamtaufnahme aus Lebensmitteln, Trinkwasser, fluoridiertem Speisesalz und weiteren oralen Quellen einschließlich verschluckter Zahnpasta betrachtet [10]. Für Kinder bis acht Jahre hat die EFSA neue tolerierbare Höchstaufnahmemengen festgelegt. Maßgeblich war dabei bereits das Risiko einer Dentalfluorose. Die Neubewertung ist deshalb gerade kein Beleg dafür, dass Fragen zur Gesamtaufnahme und zu möglichen Risiken wissenschaftlich gegenstandslos geworden wären.

Unabhängig davon läuft auf europäischer Ebene das Verfahren zur verschärften Einstufung von Natriumfluorid. Der von der französischen Behörde ANSES eingereichte Vorschlag betrifft unter anderem eine mögliche Einstufung als reproduktionstoxisch und als endokriner Disruptor für die menschliche Gesundheit [11]. Dieses Verfahren ist nicht abgeschlossen. Auch diese laufende Prüfung und die ihr zugrunde liegenden Erkenntnisse gehören zu einer vollständigen wissenschaftlichen Betrachtung.

Deshalb wiederhole ich unsere Einladung ausdrücklich: Lassen Sie uns sachlich und wissenschaftlich fundiert miteinander sprechen. Lassen Sie uns die vorliegenden Studien, die unterschiedlichen Bewertungen und die noch offenen Fragen konkret diskutieren. Gerne können wir dieses Gespräch auch öffentlich und fachlich begleitet führen.

Unser Ziel ist es nicht, Personen, Unternehmen oder einzelne Wirkstoffe zu stigmatisieren. Unser Ziel ist es, die wissenschaftlichen Fakten vollständig, nachvollziehbar und für die Öffentlichkeit verständlich auf den Tisch zu legen.

Unten aufgelistet sende ich Ihnen aktuelle wissenschaftliche Arbeiten zu möglichen gesundheitlichen Auswirkungen der Fluoridexposition, darunter auch eine Veröffentlichung aus dem Jahr 2026 [12]. Zudem erhalten Sie die klinischen Studien und die Metaanalyse zur kariespräventiven Wirksamkeit von Hydroxylapatit.

Bitte lassen Sie mir Ihre Terminvorschläge zukommen. Ich freue mich auf einen offenen und wissenschaftlich fundierten Austausch.

Mit freundlichen Grüßen
Staatsminister a.D.
Dr. med. dent. Wolfgang Heubisch
Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats