Kinderzahnpasta-Test vom 17.02.2026 – Bewertungsmethodik und gesundheitliche Einordnung
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir veröffentlichen unseren offenen Brief an Stiftung Warentest zum aktuellen Test von Kinderzahnpasten („Die besten Putzpasten für Milchzähne“, 17.02.2026).
Aus Sicht unserer Initiative Beyond Fluorid ist die Bewertung von besonderer Relevanz – insbesondere vor dem Hintergrund der derzeit laufenden toxikologischen Neubewertung von Natriumfluorid auf europäischer Ebene, bei der eine Einstufung als reproduktionstoxisch sowie als potenziell endokrinschädigender Stoff geprüft wird: https://echa.europa.eu/de/registry-of-clh-intentions-until-outcome/-/dislist/details/0b0236e189ef7cf6
Umso weniger nachvollziehbar erscheint uns, dass in der Testsystematik Kariesprophylaxe nahezu ausschließlich über Fluorid bewertet wird und die diskutierten Risiken außer Acht gelassen werden.
Besonders kritisch sehen wir, dass fluoridfreie Zahnpasten im Test ausschließlich mit „mangelhaft“ bewertet werden, obwohl Stiftung Warentest selbst an anderer Stelle darauf hinweist: „Im ersten Lebensjahr entweder Fluorid-Tabletten geben oder Zahncreme mit Fluorid verwenden, nicht beides.“
Gerade vor diesem Hintergrund erscheint es aus unserer Sicht widersprüchlich, fluoridfreie Zahnpasten pauschal negativ einzuordnen. Diese Bewertungssystematik kann Verbraucherinnen und Verbraucher irreführen und Eltern faktisch dazu motivieren, zusätzlich fluoridhaltige Zahnpasten zu verwenden, selbst dann, wenn bereits andere Fluoridquellen genutzt werden. Damit entsteht das Risiko einer unnötig erhöhten Gesamtaufnahme.
Für unsere Initiative ist diese Einordnung daher nicht nachvollziehbar. Gleichzeitig geht es uns ausdrücklich nicht um eine Polarisierung der Debatte, sondern um einen sachlichen, wissenschaftlich fundierten Dialog über Bewertungsmethodik, Nutzen-Risiko-Abwägung sowie die Berücksichtigung wissenschaftlich untersuchter Alternativen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit großem Interesse aber auch einer gewissen Überraschung haben wir Ihren aktuellen Test zu Kinderzahnpasten, „Die besten Putzpasten für Milchzähne“, 17.02.2026, gelesen.
Als unabhängige Verbraucherorganisation genießen Sie in Deutschland ein außerordentlich hohes Vertrauen. Gerade deshalb kommt Ihrer Darstellung zu Inhaltsstoffen und gesundheitlichen Bewertungen eine besondere Verantwortung zu.
In Ihrem Test wird die Kariesprophylaxe strukturell mit Fluorid verknüpft. Mit einer Gewichtung von 60 Prozent für die „Kariesprophylaxe durch Fluorid“ wird Fluorid faktisch zum dominierenden Bewertungskriterium. Dabei werden die aktuell laufenden Diskussionen zu einer toxikologischen Einordnung auf europäischer Ebene ebenso außer Acht gelassen wie wissenschaftlich belegte wirksame Alternativen zur Kariesprophylaxe.
Hier sehen wir ein erhebliches Problem.
Ihre Darstellung kann bei Verbraucherinnen und Verbrauchern den Eindruck erzeugen, Fluorid sei nicht nur der allein maßgebliche Wirkstoff gegen Karies, sondern zugleich toxikologisch unbedenklich. Diese Verkürzung birgt aus unserer Sicht ein reales Risiko: Sie kann zu Unachtsamkeit im Umgang mit Dosierung, Anwendungshäufigkeit und kumulativer Exposition führen, insbesondere bei Kindern im sensiblen Entwicklungsalter, und damit unmittelbar eine Gesundheitsgefährdung verursachen.
Fluorid ist kein rein lokal wirkender Stoff. Es wird, insbesondere bei Kindern, die Zahnpasta regelmäßig verschlucken, im Magen Darm Trakt resorbiert, gelangt in den systemischen Kreislauf und verteilt sich im Körper. Fluorid kann die Plazentaschranke passieren und reichert sich vor allem in Knochen und Zähnen an. Seine Wirkung ist somit nicht ausschließlich lokal, sondern systemisch.
Wie jede biologisch aktive Substanz besitzt Fluorid ein klares Dosis Wirkungs Profil. Bei erhöhter oder langfristig kumulativer Exposition sind gesundheitliche Schäden möglich. Dentalfluorose ist ein sichtbares Zeichen chronischer Überexposition im Kindesalter. Darüber hinaus zeigen zunehmende toxikologische Bewertungen Risiken für Entwicklungsprozesse, insbesondere im sensiblen pränatalen und frühkindlichen Zeitraum.
Gerade bei Kindern ist daher nicht nur die einzelne Anwendung entscheidend, sondern die Gesamtexposition aus allen Quellen, Zahnpasta, Trinkwasser, Speisesalz oder Lebensmittel. Ihre Einordnung, die Fluorid primär als unproblematischen Standardwirkstoff darstellt, ohne seine systemische Wirkung, sein Dosisprinzip und seine potenziellen Gefahreneigenschaften deutlich zu machen, läuft Gefahr, gesundheitliche Risiken zu verharmlosen.
Auf europäischer Ebene läuft derzeit ein Verfahren nach der Verordnung EG Nummer 1272 aus 2008 über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, der sogenannten CLP Verordnung, Classification, Labelling and Packaging. In diesem Rahmen wird empfohlen, Fluorid als reproduktionstoxisch Kategorie 1B einzustufen. Grundlage sind toxikologische Bewertungen möglicher Wirkungen auf Entwicklung und Fortpflanzung.
Unabhängig vom Ausgang dieses Verfahrens zeigt bereits seine Existenz, dass Fluorid regulatorisch nicht pauschal als unproblematisch betrachtet wird, sondern im Lichte des europäischen Vorsorgeprinzips bewertet wird. In Ihrem Test findet diese sicherheitsrelevante Dimension keine Erwähnung.
Zugleich existieren wissenschaftlich untersuchte Alternativen zur Kariesprävention. Biomimetische Remineralisationsansätze auf Basis von Hydroxylapatit sowie pH modulierende Wirkstoffe wie Arginin adressieren denselben biologischen Prozess, die Demineralisation des Zahnschmelzes, auf anderem Wege. Hydroxylapatit ist in Ländern wie Kanada und Japan bereits seit Jahren als Anti-Karies-Wirkstoff etabliert und regulatorisch anerkannt. Die internationale Praxis belegt damit, dass wirksame Alternativen existieren und Kariesprävention wissenschaftlich nicht exklusiv an Fluorid gebunden ist.
Die Gleichsetzung von „Kariesprophylaxe“ mit „Fluorid“ vermittelt in Ihrer Bewertung eine Alternativlosigkeit, die wissenschaftlich so nicht besteht.
Bereits heute lehnen laut einem Bericht von zm-online („Besonders Mütter lehnen Fluorid in der Zahnpasta ab“) fast ein Viertel der Eltern in Deutschland fluoridhaltige Zahnpflegeprodukte für ihre Kinder ab. Diese Entwicklung zeigt, dass ein erheblicher Teil der Verbraucher eine differenzierte Risikobewertung erwartet und die pauschale Gleichsetzung von Kariesprophylaxe mit Fluorid nicht mehr widerspruchslos akzeptiert.
Genau vor diesem Hintergrund haben wir die Initiative Beyond Fluorid gegründet. Wir sind ein Zusammenschluss aus Medizinern, Wissenschaftlern und engagierten Bürgern, die sich für eine sachliche, wissenschaftlich fundierte Einordnung von Zahnpflegewirkstoffen einsetzen. Unser Anliegen ist weder die pauschale Ablehnung von Fluorid noch die Polarisierung der Debatte. Wir setzen uns vielmehr für Transparenz, für die klare Trennung von Nutzenbewertung und Gefahrenbewertung sowie für die gleichwertige Prüfung wissenschaftlich belegter Alternativen ein.
Unser Anliegen ist damit ausdrücklich kein pauschaler Widerspruch gegen Fluorid. Aber es ist weder alternativlos noch frei von toxikologischen Gefahreneigenschaften.
Wir regen daher an,
1) die Trennung zwischen Nutzenbewertung und Gefahreneigenschaften transparenter darzustellen,
2) laufende europäische Bewertungsverfahren zumindest einzuordnen,
3) alternative Wirkstoffe methodisch gleichwertig zu berücksichtigen, und
4) Verbraucherinnen und Verbraucher ausdrücklich für Dosierung und Gesamtexposition zu sensibilisieren.
Stiftung Warentest trägt maßgeblich zur Orientierung im Gesundheitsmarkt bei. Gerade deshalb sollte Ihre Risikokommunikation differenziert, vollständig und der toxikologischen Realität angemessen sein.
Wir würden uns über einen fachlichen Austausch mit Ihnen sehr freuen, um Bewertungsmethodik, toxikologische Einordnung und wissenschaftliche Entwicklungen konstruktiv zu diskutieren. Über eine Rückmeldung Ihrerseits, gerne mit einem konkreten Terminvorschlag, freuen wir uns sehr.
Mit freundlichen Grüßen
Staatsminister a.D.
Dr. med. dent. Wolfgang Heubisch
Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats
Dr. med. dent. Johanna Graf
Stv. Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats
Kinderzahnpasta-Test vom 17.02.2026 – Bewertungsmethodik und gesundheitliche Einordnung
Sehr geehrter Herr Dr. Brackemann,
mit großem Interesse aber auch einer gewissen Überraschung haben wir Ihren aktuellen Test zu Kinderzahnpasten, „Die besten Putzpasten für Milchzähne“, 17.02.2026, gelesen.
Als unabhängige Verbraucherorganisation genießen Sie in Deutschland ein außerordentlich hohes Vertrauen. Gerade deshalb kommt Ihrer Darstellung zu Inhaltsstoffen und gesundheitlichen Bewertungen eine besondere Verantwortung zu.
In Ihrem Test wird die Kariesprophylaxe strukturell mit Fluorid verknüpft. Mit einer Gewichtung von 60 Prozent für die „Kariesprophylaxe durch Fluorid“ wird Fluorid faktisch zum dominierenden Bewertungskriterium. Dabei werden die aktuell laufenden Diskussionen zu einer toxikologischen Einordnung auf europäischer Ebene ebenso außer Acht gelassen wie wissenschaftlich belegte wirksame Alternativen zur Kariesprophylaxe.
Hier sehen wir ein erhebliches Problem.
Ihre Darstellung kann bei Verbraucherinnen und Verbrauchern den Eindruck erzeugen, Fluorid sei nicht nur der allein maßgebliche Wirkstoff gegen Karies, sondern zugleich toxikologisch unbedenklich. Diese Verkürzung birgt aus unserer Sicht ein reales Risiko: Sie kann zu Unachtsamkeit im Umgang mit Dosierung, Anwendungshäufigkeit und kumulativer Exposition führen, insbesondere bei Kindern im sensiblen Entwicklungsalter, und damit unmittelbar eine Gesundheitsgefährdung verursachen.
Fluorid ist kein rein lokal wirkender Stoff. Es wird, insbesondere bei Kindern, die Zahnpasta regelmäßig verschlucken, im Magen Darm Trakt resorbiert, gelangt in den systemischen Kreislauf und verteilt sich im Körper. Fluorid kann die Plazentaschranke passieren und reichert sich vor allem in Knochen und Zähnen an. Seine Wirkung ist somit nicht ausschließlich lokal, sondern systemisch.
Wie jede biologisch aktive Substanz besitzt Fluorid ein klares Dosis Wirkungs Profil. Bei erhöhter oder langfristig kumulativer Exposition sind gesundheitliche Schäden möglich. Dentalfluorose ist ein sichtbares Zeichen chronischer Überexposition im Kindesalter. Darüber hinaus zeigen zunehmende toxikologische Bewertungen Risiken für Entwicklungsprozesse, insbesondere im sensiblen pränatalen und frühkindlichen Zeitraum.
Gerade bei Kindern ist daher nicht nur die einzelne Anwendung entscheidend, sondern die Gesamtexposition aus allen Quellen, Zahnpasta, Trinkwasser, Speisesalz oder Lebensmittel. Ihre Einordnung, die Fluorid primär als unproblematischen Standardwirkstoff darstellt, ohne seine systemische Wirkung, sein Dosisprinzip und seine potenziellen Gefahreneigenschaften deutlich zu machen, läuft Gefahr, gesundheitliche Risiken zu verharmlosen.
Auf europäischer Ebene läuft derzeit ein Verfahren nach der Verordnung EG Nummer 1272 aus 2008 über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, der sogenannten CLP Verordnung, Classification, Labelling and Packaging. In diesem Rahmen wird empfohlen, Fluorid als reproduktionstoxisch Kategorie 1B einzustufen. Grundlage sind toxikologische Bewertungen möglicher Wirkungen auf Entwicklung und Fortpflanzung.
Unabhängig vom Ausgang dieses Verfahrens zeigt bereits seine Existenz, dass Fluorid regulatorisch nicht pauschal als unproblematisch betrachtet wird, sondern im Lichte des europäischen Vorsorgeprinzips bewertet wird. In Ihrem Test findet diese sicherheitsrelevante Dimension keine Erwähnung.
Zugleich existieren wissenschaftlich untersuchte Alternativen zur Kariesprävention. Biomimetische Remineralisationsansätze auf Basis von Hydroxylapatit sowie pH modulierende Wirkstoffe wie Arginin adressieren denselben biologischen Prozess, die Demineralisation des Zahnschmelzes, auf anderem Wege. Hydroxylapatit ist in Ländern wie Kanada und Japan bereits seit Jahren als Anti-Karies-Wirkstoff etabliert und regulatorisch anerkannt. Die internationale Praxis belegt damit, dass wirksame Alternativen existieren und Kariesprävention wissenschaftlich nicht exklusiv an Fluorid gebunden ist.
Die Gleichsetzung von „Kariesprophylaxe“ mit „Fluorid“ vermittelt in Ihrer Bewertung eine Alternativlosigkeit, die wissenschaftlich so nicht besteht.
Bereits heute lehnen laut einem Bericht von zm-online („Besonders Mütter lehnen Fluorid in der Zahnpasta ab“) fast ein Viertel der Eltern in Deutschland fluoridhaltige Zahnpflegeprodukte für ihre Kinder ab. Diese Entwicklung zeigt, dass ein erheblicher Teil der Verbraucher eine differenzierte Risikobewertung erwartet und die pauschale Gleichsetzung von Kariesprophylaxe mit Fluorid nicht mehr widerspruchslos akzeptiert.
Genau vor diesem Hintergrund haben wir die Initiative Beyond Fluorid gegründet. Wir sind ein Zusammenschluss aus Medizinern, Wissenschaftlern und engagierten Bürgern, die sich für eine sachliche, wissenschaftlich fundierte Einordnung von Zahnpflegewirkstoffen einsetzen. Unser Anliegen ist weder die pauschale Ablehnung von Fluorid noch die Polarisierung der Debatte. Wir setzen uns vielmehr für Transparenz, für die klare Trennung von Nutzenbewertung und Gefahrenbewertung sowie für die gleichwertige Prüfung wissenschaftlich belegter Alternativen ein.
Unser Anliegen ist damit ausdrücklich kein pauschaler Widerspruch gegen Fluorid. Aber es ist weder alternativlos noch frei von toxikologischen Gefahreneigenschaften.
Wir regen daher an,
1) die Trennung zwischen Nutzenbewertung und Gefahreneigenschaften transparenter darzustellen,
2) laufende europäische Bewertungsverfahren zumindest einzuordnen,
3) alternative Wirkstoffe methodisch gleichwertig zu berücksichtigen, und
4) Verbraucherinnen und Verbraucher ausdrücklich für Dosierung und Gesamtexposition zu sensibilisieren.
Stiftung Warentest trägt maßgeblich zur Orientierung im Gesundheitsmarkt bei. Gerade deshalb sollte Ihre Risikokommunikation differenziert, vollständig und der toxikologischen Realität angemessen sein.
Wir würden uns über einen fachlichen Austausch mit Ihnen sehr freuen, um Bewertungsmethodik, toxikologische Einordnung und wissenschaftliche Entwicklungen konstruktiv zu diskutieren. Über eine Rückmeldung Ihrerseits, gerne mit einem konkreten Terminvorschlag, freuen wir uns sehr.
Mit freundlichen Grüßen
Staatsminister a.D.
Dr. med. dent. Wolfgang Heubisch
Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats
Dr. med. dent. Johanna Graf
Stv. Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats