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Fluorid: Schutz oder Gefahr für den Zahnschmelz?

Fluorid wird häufig in Zahnpasten und Mundspülungen eingesetzt, da es seit Langem als Mittel zur Härtung des Zahnschmelzes gilt (Zahnschmelzhärtung – Landesarbeitsgemeinschaft für Zahngesundheit Baden-Württemberg e.V.). Die zugrundeliegende Annahme ist, dass Fluorid an der Oberfläche des Zahnschmelzes Fluorapatit bildet [1-2]. Dieser ist härter und widerstandsfähiger als der Hydroxylapatit, der im menschlichen Zahnschmelz vorliegt. Betrachtet man jedoch die chemischen Mechanismen genauer, zeigt sich ein anderes Bild: Fluorid ist ein hoch elektronegatives und sehr reaktionsfreudiges Ion. Trifft es auf Calciumionen, reagiert es innerhalb von Sekunden und bildet Calciumfluorid. Calciumfluorid ist schwerlöslich und verbindet sich nicht fest mit dem Zahn, sondern lagert sich lediglich oberflächlich ab. Das dafür benötigte Calcium stammt entweder aus dem Speichel oder direkt aus dem Zahn selbst.

Eine im renommierten Journal „Caries Research“ veröffentlichte Studie konnte zeigen, dass Fluorid tatsächlich innerhalb von nur zwei Minuten Calcium aus dem Zahn zieht [3]. Neben Phosphat ist Calcium der wichtigste Bestandteil des Zahnschmelzes. Ohne ausreichend Calcium verliert der Zahnschmelz seine Stabilität – der Zahn wird dadurch geschwächt und anfälliger für Schädigungen wie Karies und Erosion. Besonders bei den in der Mundhöhle häufig vorkommenden sauren pH-Werten wird der Zahnschmelz zusätzlich angelöst, was die Freisetzung von Calciumionen begünstigt und die Bildung von Calciumfluorid weiter verstärkt. Dadurch wird der Effekt des „Calcium-Rausziehens“ noch deutlicher.



Literatur
[1] U. Schiffner, Verwendung von Fluoriden zur Kariesprävention, Bundesgesundheitsbl. 64 (2021) 830–837.
[2] Lussi, A., Hellwig, E., Klimek, J., Fluoride – Wirkungsmechanismen und Empfehlungen für deren Gebrauch, Dentalhygiene Journal 2 (2014).
[3] M.J. Larsen, A. Richards, The influence of saliva on the formation of calcium fluoride-like material on human dental enamel, Caries Research 35 (2001) 57–60.