Erster „Beyond Fluorid Talk“ in Berlin: Neue Evidenz rückt jahrzehntealte Lehrmeinungen in der Zahnmedizin ins Zentrum einer notwendigen Neubewertung
- Die vorgelegten wissenschaftlichen Befunde verdeutlichen, dass zentrale Annahmen zur Fluoridanwendung einer erneuten, methodisch sauberen Überprüfung bedürfen.
- Die Fachdebatte zeigte klar, wie schmal der Bereich zwischen präventiver Wirkung und potenzieller chronischer Überaufnahme ist, insbesondere bei Kindern mit mehreren Fluoridquellen.
Die Diskussion machte deutlich, dass Forschung zu alternativen Wirkstoffen wie Hydroxylapatit intensiviert und in gesundheitspolitische Bewertungen systematisch einbezogen werden muss.
Die Premiere des „Beyond Fluorid Talk“ in Berlin hat ein starkes Signal gesetzt. Vor einem hochrangigen Fachpublikum aus Zahnmedizin, Toxikologie, Wissenschaft, Industrie, Politik sowie Vertreterinnen und Vertretern bundesweiter Leitmedien entwickelte sich eine intensive, wissenschaftlich fundierte und zugleich gesellschaftlich relevante Diskussion. Sie machte deutlich, wie sehr sich die Evidenzlage zu Fluoriden in den vergangenen Jahren verdichtet hat und wie zwingend eine Neubewertung langjähriger Annahmen geworden ist. Die Veranstaltung wurde von der Initiative BEYOND FLUORID ausgerichtet, die eine wissenschaftlich saubere, transparente und risikobewusste Auseinandersetzung mit Fluoriden und deren Alternativen fordert.
Staatsminister a. D. Dr. med. dent. Wolfgang Heubisch, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Initiative, eröffnete die Diskussion mit einer klaren Einschätzung der aktuellen Befundlage. „Wir erleben eine verdichtete und durch hochwertige Forschung untermauerte Evidenz, die uns zwingt, jahrzehntealte Gewissheiten in der Zahnmedizin neu zu denken. Fluoride sind kein Dogma. Die Wirksamkeit steht außer Frage, doch ebenso die Risiken einer kumulierten Aufnahme. Politik, Wissenschaft und Praxis müssen diese Daten ernst nehmen und eine ehrliche Neubewertung vornehmen.“
Dr. med. dent. Johanna Graf, Zahnärztin Buchautorin und Stellvertretende Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats, verdeutlichte, warum eine breite und belegte Evidenzbasis heute zu einem differenzierten Umgang mit Fluorid verpflichtet. „Die wahre Gefahr liegt nicht in einer akuten Vergiftung, sondern in der dauerhaften Überaufnahme aus verschiedenen Quellen. Ernährung, Mineralwasser und fluoridhaltige Zahnpasta summieren sich. Gerade bei Kindern kommt die Gefahr des Verschluckens hinzu. Da nur etwa die Hälfte des aufgenommenen Fluorids wieder ausgeschieden wird, reichert sich ein Teil langfristig im Körper an. Diese Zusammenhänge müssen wir offen benennen, damit Prävention wirksam bleibt und Risiken nicht ausgeblendet werden.“
Prof. Dr. Dr. Franz-Xaver Reichl, Leiter der Dentaltoxikologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, zeigte, dass der Korridor für die wirksame Fluorid-Kariesprohylaxe schmal ist zu einer Fluorid-Überdosierung. „Fluorid wirkt, doch die Grenze zwischen den erwünschten Wirkungen und den Nebenwirkungen ist schmal. Besonders Kinder sind gefährdet, dass sie eine Dental-Fluorose entwickeln, wenn sie zu viel Fluorid aufnehmen, z.B. durch Verschlucken von hoch fluoridhaltigen Zahnpasten/Zahnapplikationen. Eine langandauernde Überfluoridierung ist deshalb zu vermeiden.“
Dr. Erik Schulze zur Wiesche, Forschungsleiter der Dr. Wolff Gruppe und anerkannter Chemiker, richtete den Blick auf verfügbare Alternativen. „Wir verfügen heute über wissenschaftlich erprobte Stoffe wie Hydroxylapatit, die eine wirksame und sichere Kariesprophylaxe ermöglichen. Es handelt sich um denselben Stoff, aus dem unser Zahnschmelz besteht. Hydroxylapatit zeigt in zahlreichen Studien eine vergleichbare Wirkung wie Fluoride und birgt dabei keinerlei bekannte Risiken. In Kanada und Japan ist dieses Konzept längst anerkannt. Die evidenzbasierte Neubewertung in Deutschland steht noch aus und sollte dringend erfolgen.“
Im gemeinsamen Fazit zeigte sich das Podium geschlossen. Die Forschung zu Fluoriden müsse intensiviert und fortlaufend unabhängig begleitet werden. Gleichzeitig eröffnen moderne Wirkstoffe wie Hydroxylapatit neue Chancen für eine sichere und effektive Prävention ohne systemische Nebenwirkungen. Alle Expertinnen und Experten betonten, dass der öffentliche Diskurs ebenso wie die politische Bewertung nicht länger an den neuen Erkenntnissen vorbeigehen dürfen.
Die Initiative BEYOND FLUORID kündigte an, die wissenschaftliche Debatte weiter zu öffnen und mit Formaten wie dem „Beyond Fluorid Talk“ fortzusetzen. Ziel ist eine faktenbasierte Orientierung für Fachwelt, Politik und Gesellschaft. Berlin hat mit dieser Auftaktveranstaltung gezeigt, wie groß das Interesse und wie dringlich die Auseinandersetzung ist.