Hydroxylapatit: Was die fluoridfreie Alternative in der Zahnpasta leistet
Das Wichtigste in Kürze
Hydroxylapatit ist ein Calciumphosphat und der natürliche Hauptbestandteil des Zahnschmelzes. In Zahnpasta schützt es fluoridfrei vor Karies. Drei randomisierte klinische Studien mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zeigten, dass Hydroxylapatit-Zahnpasta Fluoridzahnpasta in der Kariesprävention nicht unterlegen ist.
Was ist Hydroxylapatit?
Hydroxylapatit, chemisch Ca₁₀(PO₄)₆(OH)₂, ist eine Verbindung aus Calcium und Phosphat. Zahnschmelz besteht zu 95 bis 97 % aus Mineralien, überwiegend aus Hydroxylapatit. Auch Dentin und Knochen enthalten den Stoff. Für Zahnpasta wird Hydroxylapatit synthetisch hergestellt, als mikrokristallines Pulver oder in Nanoform. Weil der Wirkstoff dem natürlichen Zahnmineral entspricht, gilt er als biomimetisch: Er ahmt nach, was der Körper selbst bildet.
Wie wirkt Hydroxylapatit?
Karies entsteht, wenn Bakterien im Zahnbelag Zucker zu Säuren abbauen und diese Säuren den Zahnschmelz angreifen. Hydroxylapatit wirkt auf mehreren Ebenen. Die Partikel lagern sich an der Zahnoberfläche an und füllen mikroskopisch kleine Defekte. Bei einem Säureangriff geben sie Calcium- und Phosphationen ab, die die Remineralisation unterstützen, auch in tieferen Schichten des Schmelzes. Sie puffern Säuren ab und können die Anhaftung von Bakterien verringern. Zudem verschließt Hydroxylapatit offene Dentinkanälchen und lindert so schmerzempfindliche Zähne.
Ein wesentlicher Unterschied zu Fluorid: Verschluckte Mengen lösen sich im Magen in Calcium und Phosphat auf. Systemische Nebenwirkungen sind nicht bekannt, und das Risiko einer Dentalfluorose besteht nicht. Das ist besonders für kleine Kinder relevant, die einen Teil der Zahnpasta verschlucken.
Was zeigen klinische Studien?
Bei Kleinkindern verglich eine doppelblinde randomisierte Studie über 336 Tage Hydroxylapatit mit einer Kinderzahnpasta mit 500 ppm Fluorid. Beginnende Kariesläsionen nahmen bei 72,7 % der Kinder in der Hydroxylapatit-Gruppe und bei 74,2 % in der Fluorid-Gruppe zu (Paszynska et al., Scientific Reports, 2021).
Bei Jugendlichen mit fester Zahnspange untersuchten mehrere deutsche Studienzentren unter Leitung der Universität Würzburg eine Zahnpasta mit 10 % Hydroxylapatit. Nach 168 Tagen hatten 54,7 % der Jugendlichen in der Hydroxylapatit-Gruppe eine neue Läsion, in der Fluorid-Gruppe 60,9 % (Schlagenhauf et al., 2019).
Bei Erwachsenen von 18 bis 45 Jahren zeigte eine 18-monatige Studie im Vergleich mit 1.450 ppm Fluorid bei 89,3 % der Hydroxylapatit-Gruppe und 87,4 % der Fluorid-Gruppe keinen Kariesanstieg (Paszynska et al., Frontiers in Public Health, 2023). In allen drei Studien war Hydroxylapatit nicht unterlegen.
Warum wird Hydroxylapatit noch nicht empfohlen?
Die Studienlage zu Hydroxylapatit wächst stetig: Neben den drei klinischen Studien stützen zwei aktuelle systematische Übersichtsarbeiten mit Metaanalyse die Ergebnisse (Pawinska et al., 2024; Chatzidimitriou et al., 2025). Die S3-Leitlinie zur Kariesprävention bei bleibenden Zähnen (Stand Januar 2025) spricht für Nano-Hydroxylapatit dennoch keine Empfehlung aus. Sie stützt sich dabei auf eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2018, beide Metaanalysen sind erst nach ihrem Recherchezeitraum erschienen. Was fehlt, ist die Förderung: Während Fluorid seit Jahrzehnten mit öffentlicher Unterstützung erforscht wird, werden Alternativen bislang kaum berücksichtigt. BEYOND FLUORID fordert deshalb unabhängige, langfristige Vergleichsstudien und die Aufnahme von Hydroxylapatit in Empfehlungen zur Kariesprävention. In Japan ist Hydroxylapatit in der Zahnpflege seit Jahren etabliert. Neben Hydroxylapatit werden Arginin und Calciumhypophosphit (CaP) als weitere Alternativen untersucht. Für CaP zeigt eine erste Laborstudie, dass sich im Speichel innerhalb weniger Minuten Hydroxylapatit auf der Zahnoberfläche bildet (Fandrich et al., 2026).
Häufige Fragen
Ist Hydroxylapatit eine Alternative zu Fluorid?
Ja. Drei randomisierte klinische Studien zeigten, dass Hydroxylapatit-Zahnpasta Fluoridzahnpasta in der Kariesprävention nicht unterlegen ist, bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.
Ist Hydroxylapatit für Kinder geeignet?
Hydroxylapatit ist auch beim Verschlucken unbedenklich und benötigt keine strengen Dosierungsvorgaben. Eine Studie mit Kleinkindern zeigte eine Schutzwirkung, die einer Kinderzahnpasta mit 500 ppm Fluorid nicht unterlegen war.
Woran erkenne ich eine Zahnpasta mit Hydroxylapatit?
In der Liste der Inhaltsstoffe steht „Hydroxyapatite“. Ob ein Produkt zusätzlich Fluorid enthält, zeigt die Angabe in ppm. Fluoridverbindungen erscheinen in der Liste etwa als „Sodium Fluoride“ oder „Sodium Monofluorophosphate“. Nicht jede fluoridfreie Zahnpasta enthält Hydroxylapatit.
Quellen
- BEYOND FLUORID: Studienlage, https://beyond-fluorid.de/studienlage/
- Paszynska E. et al.: Impact of a toothpaste with microcrystalline hydroxyapatite on the occurrence of early childhood caries: a 1-year randomized clinical trial. Scientific Reports 11, 2650 (2021), doi:10.1038/s41598-021-81112-y.
- Schlagenhauf U. et al.: Impact of a non-fluoridated microcrystalline hydroxyapatite dentifrice on enamel caries progression in highly caries-susceptible orthodontic patients: a randomized, controlled 6-month trial. Journal of Investigative and Clinical Dentistry 10 (2019), doi:10.1111/jicd.12399.
- Paszynska E. et al.: Caries-preventing effect of a hydroxyapatite-toothpaste in adults: a 18-month double-blinded randomized clinical trial. Frontiers in Public Health 11 (2023), doi:10.3389/fpubh.2023.1199728.
- Pawinska M. et al.: Clinical evidence of caries prevention by hydroxyapatite: An updated systematic review and meta-analysis. Journal of Dentistry 151, 105429 (2024).
- Chatzidimitriou K. et al.: The role of hydroxyapatite-based, fluoride-free toothpastes on the prevention and the remineralization of initial caries lesions: A systematic review and meta-analysis. Journal of Dentistry 156, 105691 (2025).
- DGZ, DGZMK: S3-Leitlinie Kariesprävention bei bleibenden Zähnen – grundlegende Empfehlungen, AWMF-Registernummer 083-021, Stand 28.01.2025.
- Fandrich P. et al.: Formation of hydroxyapatite on tooth surfaces by calcium hypophosphite in saliva. BDJ Open (2026), doi:10.1038/s41405-026-00502-4.